Sensorreinigung
Die Reinigung des Sensors digitaler Kameras ist ein viel diskutiertes und auch strapaziertes Thema unter Fotografen. Bei der Fotocommunity findet sich diesbezüglich ein ausführlich verlinkter Artikel.Ich möchte hier meine eigenen Erfahrungen - am Beispiel - darlegen.
Zuerst: ich gehöre zu der Sorte Mensch die eigentlich nie eine Bedienungsanleitung lesen - vielmehr erhoffe ich mir, dass sich aus dem Schatz meiner Erfahrungen die Bedienung eines Gerätes von selbst erschliesst! So hatte ich mir das auch mit meiner damals neuen Kamera gedacht. Ich fotografiere seit vielen Jahren. Deshalb waren mir die Bedienungselemente der EOS 5D auch gleich verständlich! Umso mehr freute ich mich über die Funktion „Sensorreinigung"" der EOS 5D. Das hatte ich noch nicht gekannt! Klar, früher - mit Filmen - war so was auch nicht notwendig! Diese Kamera kann also den Aufnahmesensor reinigen - super! Das wird bei der anstehenden Reise in die Mongolei auch notwendig sein, dachte ich mir. Es handelt sich ja in weiten Teilen um ein Steppen-Gebiet: viel Sand, viel Wind, mit Pollenstaub ist zu rechnen. Wegen der vier Objektive, die zur Ausrüstung gehörten und dem damit verbundenen häufigen Ojektivwechsel war schon mit Verunreinigungen auf dem Sensor zu rechnen!
In der Mongolei angekommen gabs viel zu fotografieren! Viele Pflanzen (5X Makro von Canon), eine faszinierende Landschaft und natürlich die Menschen!
So gingen einige interessante Tage ins weite mongolische Land und immer Abends wurde der Sensor gereinigt! Alleine schon dieses Geräusch! Klack - dann vergeht eine Weile - und wieder Klack. Ja, da muss modernste Technik am Werke sein! Wie das wohl funktioniert? Am Abend des fünften Tages aber, überzog so was wie ein Unwetter - ein „Moll-Ton"" mein Gemüt. Auf einer der Makroaufnahmen war doch tatsächlich, ganz offensichtlich, ein Fleck zu erkennen! Zuerst dachte ich - es müsse sich um einen Fleck auf der Scheibe des Aufnahmemonitors handeln! Aber nein - trotz Reinigung war der Fleck noch immer da und auch auf den nachfolgenden Makroaufnahmen vorhanden. Hatte die Sensorreinigung versagt? Nun lese ich freiwillig keine Bedienungsanleitung, hatte dieses Dokument aber dabei und fühlte mich dann doch genötigt das betreffende Kapitel nachzuschlagen. Vielleicht gibt es ja eine Möglichkeit den Reinigungseffekt zu intensivieren - vielleicht muss man - unter diesen besonderen Bedingungen - die Reinigung des Sensors abends zweimal oder sogar dreimal durchführen! Auf der betreffenden Seite angelangt war mir die Kinnlade fast bis zum Boden durchgefallen! Die Sensorreinigungsfunktion klappt nur den Spiegel der Kamera hoch! Danach darf man - den Sensor manuell reinigen! Ich stehe 9000 km weg von Zuhause in der mongolischen Steppe und werde von einem Kamel in Form eines Staubkorns getreten! Hier ist es nun Zeit einen Schnitt zu machen.
Zurück in Zürich wollte dieses Problem sofort angegangen werden, zwischenzeitlich waren weitere Staubkörner dazugekommen! Internet-Recherche war also angesagt - und schau da: nicht nur ich habe mit dem Sensordreck ein Problem - viele andere, sogar sehr viele andere, haben dieses Problem auch! Super - dachte ich - wenn so viele ein Problem haben, dann gibt es dafür ja fast immer eine einfache Lösung! Die Lösungen: wegpusten, wegsaugen, wegstempeln (Speckgrabber), besondere Pinsel (Visible Dust,...), Trockenpflege, Nasspflege (Sensor Swabs, ...), ganz besondere und teure Chemikalien (Eclipse), usw! Nach kurzer Zeit war klar: Es gibt ein Universum für Sensorreinigung mit ganz eigenen Göttern - Glaubenskriege, Heilsversprecher und diejenigen die es eher nüchtern angehen, ganze Internetseiten die gar nichts anderes behandeln (z.B. CleaningDigitalcameras.com) - alles gibts da! Und nun?
Die Sache mit dem Pusten! Pusten ist in der Bedienungsanleitung empfohlen - und betreffend eventueller Alternativen steht dort nichts. Das sollte also das Mittel der Wahl sein! Logisch, dass man da nicht seine mit Feuchtigkeit angereicherte Atemluft nehmen kann! Was wird durch die Sensorreinigungs-Community empfohlen? Eine Klistierspritze der Grösse 5! So eine Klistierspritze wir normalerweise verwendet, um kleine Mengen an Flüssigkeiten (z.B. Glycerin) in den Enddarm zu bringen. Ziel ist es meist, eine rasche Darmentleerung herbeizuführen. Die alten Ägypter haben ähnliche Teile zur Einbalsamierung ihrer Toten verwendet (ein Zufall?). Welche Klistierspritze ist gut genug für meine 5000.CHF teure Digitalkamera und vor allem: Wie sag ich`s meinem Apotheker? Irgendwie hab ich das alles geschafft, doch die Bemühungen haben nicht zum gewünschten Ziel geführt. Die Fotos hatten nach dem Pusten mit der Klistierspritze dieselben Flecken wie vorher auch! Damit fühlte ich mich zum Teil wieder in der Meinung bestärkt: mit Bedienungsanleitungen ist nichts anzufangen.
Aber Rettung nahte - es gibt ja noch andere die auch eine EOS 5D haben - und vielleicht dasselbe Problem? Das Hilfsmittel der Wahl: ein Sensor Cleaning Brush (das ist ein Pinsel) - sauteuer - aber in Relation zum Anschaffungspreis der Kamera - schon fast wieder billig. Dieser Pinsel wird in ein Gerät gesteckt (ähnlich den Teilen die zum Milchschaum schlagen verwendet werden aber wahrscheinlich doch irgendwie ganz anders - weil viel, viel teurer) und wild gedreht. Durch die Fliegkräfte laden sich die Borsten statisch auf. Hält man nun diesen Pinsel in die Kamera - ganz knapp vor den Sensor, oder streicht nur leicht darüber, dann springen, angezogen durch die elektrische Aufladung der Pinselborsten, die Staubkörner vom Sensor auf den Pinsel und das Problem ist gelöst!
Die Sache hat einen Haken. Die Wandungen des Kamera-Inneren sind meist auch nicht völlig staub- und schmiermittellos (Mechanik des Spiegels; Abrieb ... ). Nun war es im Falle von Stefan so, dass er in Kooperation mit seiner Frau (hier ist die Person mit den ruhigsten Händen gefragt) den Sensor seiner Kamera mit dieser Technik ziemlich sauber bekommen hatte. Wäre da nicht das eine kleine Staubkorn gewesen - eben jenes, über welches sich ein Perfektionist trefflich aufregen kann. Im Bemühen so nun also zu einem sauberen, nein reinen Sensor, zu kommen muss sich Dreck auch von den Seitenwänden des Lichtschachtes beim finalen Akt der Säuberung durch die gewaltige Anziehungskraft des geladenen Pinsels gelöst haben welches sich dann bei sanften Streichen über des Sensor eben wieder dort niedergelassen hatte. Die Folge waren Striemen und Streifen über den ganzen Sensor verteilt! Die Kamera ist dann bei Canon in die Spiegelreflex-Spülmaschine gesteckt worden und kam ziemlich, wenn auch nicht völlig, sauber zurück!
Wie haben die das hinbekommen? Der Spezialisten-Seite www.cleaningdigitalcameras.com zufolge muss das so oder so ähnlich funktioniert haben:
Canon: Blower and a Kimwipe, held by tweezers. They do not like to use fluid but when necessary they use either 90% isopropyl alcohol or a 50/50 mixture of isopropyl alcohol and Windex.
(Zitat - Seite oben)
Na also, das ist die Lösung - Nassreinigung! Glücklicher Weise gibt es hier in Zürich ein Fotogeschäft wo die notwendigen Utensilien käuflich zu erwerben sind. Bei der Säuberungsvariante hatte ich mich für Sensor Swabs der Grösse 3 (Vollformatsensor weil ich habe ja eine Vollformatkamera) entschieden. Zwölf Stück kosten ca. 50 Euro - macht dann pro Stück ca. 4,20 Euro - also gerade mal 8,40 alte DM. Da lag nun dieses Schächtelchen vor mir, ungeöffnet und ich voller Erwartung. Ausgerechnet hatte ich mir: drei Sensorreinigungen pro Jahr - vielleicht brauche ich hin und wieder zwei Swabs, dann reicht die Schachtel ca. zwei Jahre. Schlauer wie auch schon, hab ich natürlich sofort die Bedienungsanleitung gelesen und mich sklavisch an das dort beschriebene Vorgehen gehalten:
1. Refer to your camera´s owners manual on how to access the sensor. OK
2. Hold camera at an angle with the sensor facing down. OK
3. Blow out dust and dirt with a clean suitable manual blower/brush. OK :-)
4. Rotate camera to see sensor. OK
5. Add 1 or 2 drops of Eclipse to the tip of the swab and with moderate pressure, sweep swab across sensor. Be sure both ends of swab cover the sensor. OK
6. Rotate swab 180 degrees and repeat in the opposite direction. OK
7. Dispose of swab properly, release camera shutter and replace lens. OK
8. (Optional) Check sensor for cleanliness by exposing a normal image. Download image into a computer and enlarge to 100% checking all sections of the image. This will show any dust on the sensor. Ok
Repeat steps 5, 6 and 7 if necessary with a new swab! ...
Tisch, ja das ganze Umfeld geputzt, Stativ aufgebaut - Kamera richtig „facing down"" positioniert und dann die Sensor-Swab Schachtel geöffnet: Da war er nun der 8,40 DM teure Sensor Swap. Es handelt sich um ein kleines Plastikstäbchen welches vorne etwa die Breite des Sensors hat. Das Teil hat die Wertigkeit eines Zahnstochers. Aber gut, wenns hilft. Dort nun ist ein hoch reines Papierchen um den breiten Teil gewickelt welches dann mit dem sehr teuren Methylalkohol „Eclipse"" betreufelt werden soll. Vorsichtig die Plastikfolie um den Swab entfernt und ... die Punkte 1 bis 7 abgearbeitet! Dann Punkt 8)- ""Optional"" -weil- ich wollte ja schon wissen ob der Sensor nun sauber ist!
Das erste Ergebnis war ermutigend! Die Sensorfläche recht sauber - eigentlich war da nichts mehr - aber am Rand, die Stelle wo der Swap den Sensor zuletzt berührte, dort war doch noch ein deutlicher Streifen zu erkennen. So konnte ich das nicht lassen. Wer hin und wieder seine Küche nass wischt, der kennt das. Dort wo man mit dem Putzlappen zuletzt war bleibt ein Abdruck des Putzlumpens erhalten. Ich war also am Schritt: Repeat steps 5, 6 and 7 if necessary with a new swab! - hängen geblieben. Das war ja auch das erste Mal! Nun war ich aber schlauer - ich fing also dieses Mal auf der anderen Seite an dann 1->2->3->4->5->6->7 - tja und dann wieder 8. „Optional"". Leider war der Streifen nun auf der anderen Seite des Sensors vorhanden. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte mich das also 16,80 alte DM gekostet. Etwa zwei Stunden später waren alle Sensor Swaps aufgebraucht - die Schachtel also leer ... .
Nachdem ich meiner Verzweiflung betreffend des verschmutzten Sensors Ausdruck verliehen habe - hier nun meine persönliche Art den Sensor der Canon EOS 5D zu reinigen (jede Nachahmung erfolgt auf eigene Gefahr!)
Tools:
- hochreiner Methylalkohol (purum) aus der Apotheke
- Sensor Swabs
- PEC*PAD
Da es sich bei der Canon EOS 5D um eine Vollformatkamera handelt nimmt der Sensor den gesamten Raum hinter dem Spiegelkasten ein. Alles hinter dem Spiegel ist also "Sensor". Die verschiedenen Sensorgrössen haben zur Folge, dass findige Firmen zur Reinigung des jeweiligen Sensors auch entsprechende Hilfsmittel anbieten. Im Fall der Sensor Swabs ist das der ""Typ 3"" der in der Breite den gesamten Sensor abdeckt. In der Theorie sollte mit dem ein- bis zweimaligen Streichen über den Sensor kein Schmutz auf der Glasplatte mehr vorhanden sein. Tatsächlich war es in meinem Fall so, dass in der Fläche der Dreck dann auch weg war, dieser sich aber am Rand abgesetzt hatte.
Nach vielen Versuchen mit immer dem gleichen Resultat, hatte ich mich entschlossen den Spachtel, um den das hochreine Papier gewickelt ist auf etwa 1/3 der Orginalgrösse zu beschneiden. Als Papier, welches um den Spachtel gewickelt ist kommen die PEC*PADs zum Einsatz. Diese sind recht günstig und ein wenig weicher als das Orginalpapier der Sensor-Swabs. Das PEC*PAD Papier wird an der verkleinerten Spachtel mit Tesafilm befestigt. Dann wird das PEC*PAD Papier mit einem Tropfen Methylalkohol (purum) aus der Apotheke betreufelt. So ausgerüstet werden die Stellen an denen noch Dreck vermutet wird gezielt nachgeputzt. Dabei wird der Spachtel vorsichtig über die Verschmutzungsstelle gezogen (nicht über den ganzen Sensor). Nach meiner Erfahrung spielt die Richtung der Säuberung eine untergeordnete Rolle. Wichtiger ist es beim Einführen des Spachtels eine Verschmutzung des Papiers an den Rändern des Spiegelkastens unbedingt zu vermeiden! Alle Tätigkeiten an der Glasplatte über dem Sensor sind selbstverständlich mit grosser Vorsicht durchzuführen!
Auf diese Weise bin ich zu Ergebnissen gekommen mit denen ich leben kann